Wie wir unsere echte Vespa Azzurra gefunden haben
- jangleinser

- vor 6 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Manchmal findet einen der Traum von selbst
Wer unsere Ferienwohnung kennt, kennt auch ihren Namen: Vespa Azzurra.
Viele Gäste fragen uns, woher dieser Name eigentlich kommt. Die Antwort ist einfach: Ich bin schon seit Jahren ein riesiger Vespa-Fan. Genauer gesagt: ein Fan von alten Vespas. Schon lange war es mein Traum, irgendwann einmal selbst eine zu besitzen.
Als wir unsere Ferienwohnung am Comer See eingerichtet haben, hatten wir allerdings erst einmal genug andere Dinge zu tun. Eine Vespa zu kaufen stand damals überhaupt nicht auf unserer Plan. Trotzdem war der Name schnell gefunden. „Vespa Azzurra“ klang für uns einfach nach Italien, Sommer, Freiheit und dem Lebensgefühl, das wir mit unserer Ferienwohnung verbinden.
Passend dazu entstand auch unser Logo: Selina und ich auf einer azurblauen Vespa.
Damals hätten wir niemals gedacht, dass diese Vespa eines Tages tatsächlich existieren würde.

Ein spontaner Stopp auf einem Straßenflohmarkt
Die Geschichte begann völlig unerwartet.
Freunde waren zu Besuch und eigentlich wollten wir gemeinsam eine Runde laufen gehen. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Straßenflohmarkt vorbei. Erst wollten wir gar nicht anhalten. Wir hatten schließlich etwas anderes vor.
Nach kurzem Überlegen beschlossen wir dann doch, einmal kurz darüber zu schlendern.
Eine Entscheidung, die wir bis heute nicht bereut haben.
An einem alten Hof blieben wir stehen. Überall standen alte Gegenstände, Werkzeuge und allerlei interessantes Gerümpel herum. Meinem Kumpel fiel sofort eine alte Ape ins Auge.
Mir hingegen sprang etwas anderes direkt ins Gesicht:
Eine alte Vespa.
Sie war komplett verrostet, offensichtlich nicht fahrbereit und hatte ihre besten Tage längst hinter sich. Trotzdem war es eine Vespa – und natürlich musste ich sie mir genauer ansehen.

Das Garagentor, das alles veränderte
Während ich die alte Vespa betrachtete, sprach mich der Verkäufer an.
Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte ihm, dass es schon lange mein Traum sei, irgendwann einmal eine alte Vespa zu besitzen.
Dabei stellte sich heraus, dass er meine Eltern kannte.
Plötzlich sagte er:
„Komm mal mit.“
Ich hatte keine Ahnung, was er meinte, folgte ihm aber neugierig über den Hof.
Dann öffnete er ein großes Garagentor.
Und ich konnte meinen Augen kaum trauen.
Dahinter befand sich eine riesige Oldtimersammlung.
Alte Porsche. Traktoren. Mopeds. Motorräder. Fahrzeuge aller Art.
Ich war völlig überwältigt.
Der Besitzer erzählte, dass er bereits als kleiner Junge angefangen hatte, alte Fahrzeuge zu sammeln und daran zu schrauben. Über Jahrzehnte war daraus eine Sammlung entstanden, die man sonst nur aus Museen kennt.
Dann stand sie plötzlich vor mir
Während ich durch die Garage lief, blieb mein Blick plötzlich an einem Fahrzeug hängen.
Eine alte Vespa.
Azurblau.
Perfekt restauriert.
In diesem Moment blieb die Zeit für einen Augenblick stehen.
Vor mir stand praktisch unser Logo.
Genau die Vespa, die wir uns Monate zuvor für Vespa Azzurra ausgedacht hatten.
Selina und ich hatten eine azurblaue Vespa als Symbol für unsere Ferienwohnung gewählt – und nun stand sie plötzlich in echt vor mir.
Nicht ähnlich.
Nicht fast.
Sondern praktisch identisch.
Eine lange Woche voller Gedanken
Natürlich fragte ich sofort, ob die Vespa zu verkaufen sei.
Eine klare Antwort bekam ich allerdings nicht.
Der Besitzer erzählte mir, dass er bald umziehen müsse. Für seine gesamte Sammlung würde am neuen Standort vermutlich nicht genügend Platz vorhanden sein. Deshalb müsse er sich von einigen Fahrzeugen trennen.
Ich gab ihm direkt meine Telefonnummer und bat ihn, sich bei mir zu melden, falls er sich tatsächlich von der Vespa trennen würde.
Danach gingen wir auseinander.
Und ich konnte tagelang an nichts anderes mehr denken.
Die erste Probefahrt
Etwa eine Woche später klingelte mein Handy.
Er hatte sich gemeldet.
Natürlich setzte ich mich sofort ins Auto und fuhr zu ihm.
Gemeinsam holten wir die Vespa aus der Garage und machten uns auf die Suche nach den Gründen, warum sie nicht laufen wollte.
Wir prüften die Zündkerze.
Wir kontrollierten den Vergaser.
Wir schraubten, probierten und tüftelten.
Und irgendwann passierte es.
Der Motor sprang an.
Nach Jahren des Stillstands lief die Vespa wieder.
Kurz darauf durfte ich meine erste Runde fahren.
Ich war vorher noch nie Vespa gefahren.
Natürlich war es ungewohnt.
Aber schon nach wenigen Metern wusste ich:
Das ist unsere Vespa.

Mehr als nur ein Verkauf
Was mich bis heute beeindruckt:
Der Besitzer wollte mir nie einfach irgendein Fahrzeug verkaufen.
Er wollte sicher sein, dass die Vespa funktioniert und in gute Hände kommt.
Deshalb wechselten wir gemeinsam noch den Reifen, richteten die Felge und lackierten sie neu.
Er machte sogar selbst noch weitere Probefahrten, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung war.
Er sagte zwar immer wieder:
„Eine Garantie kann ich dir natürlich nicht geben.“
Aber man merkte, dass ihm die Vespa am Herzen lag.
Die Nachricht, auf die ich gewartet hatte
Wieder verging etwa eine Woche.
Dann kam endlich die Nachricht:
Er würde mir die Vespa verkaufen.
Für 2.200 Euro.
Für eine restaurierte Vespa V50 Special aus dem Jahr 1974 inklusive Papieren und italienischer Herkunft aus Parma war das ein außergewöhnlich fairer Preis.
Ich musste keine Sekunde überlegen.
Wie ein erstes Fahrrad
Eigentlich hätte ich die Vespa nach den letzten Arbeiten problemlos selbst nach Hause fahren können.
Es sind gerade einmal fünf Kilometer.
Da sie allerdings noch kein Kennzeichen hatte, bestand der Verkäufer darauf, sie mir persönlich vorbeizubringen.
Etwa sechs Wochen nachdem wir die Vespa zufällig auf dem Flohmarkt entdeckt hatten, stand sie schließlich vor unserem Haus.
Ich kann den Moment bis heute schwer beschreiben.
Es fühlte sich ein bisschen so an, wie damals das erste eigene Fahrrad.
Nur dass dieser Traum viele Jahre älter war.
Die echte Vespa Azzurra
Heute, knapp ein Jahr später, steht die Vespa noch immer bei uns zuhause.
Im Sommer fahren wir regelmäßig damit durch die Gegend und haben inzwischen rund 1.500 Kilometer gemeinsam zurückgelegt.
Natürlich ist sie ein Oldtimer.
Man muss sie kennenlernen.
Manchmal hat sie ihren eigenen Kopf.
Aber genau das macht ihren Charakter aus.
Und obwohl sie inzwischen auf vielen Fotos, Reels und Marketingmaterialien von Vespa Azzurra zu sehen ist, ist sie für uns viel mehr als nur ein Fotomotiv.
Sie ist die reale Version einer Idee, die einmal als Logo begonnen hat.
Eine Vespa, die wir nie aktiv gesucht haben.
Und die uns am Ende trotzdem gefunden hat.
PS: Irgendwann wird die Vespa natürlich auch ihren Weg an den Comer See finden. Schließlich gehört die echte Vespa Azzurra irgendwann dorthin, wo alles begonnen hat!


























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